Diesen Vorgang Ihnen, würdigster Mann, mitzutheilen, werde ich durch Rücksicht auf den möglichen Fall, daß darüber sich etwa ein öffentlicher Zwist ereignen dürfte, bewogen, um auch in Ihrem Urtheil wegen der Gesetzmäßigkeit meines Verhaltens, wie ich hoffe, gerechtfertigt zu sein.«
Kant hatte aber auch dadurch, daß er seine Abhandlungen, nach vorhergehender Censur durch die Königsberger theologische Facultät, in Buchform erscheinen ließ, weiteren Conflicten, die er so gern vermied, nicht ausweichen können. Denn in dem Jahre 1794, in welchem die 2. Auflage der »Religion innerhalb der Grenzen &c.« erschienen war, erhielt er eine von dem Minister Wöllmer unterzeichnete Königl. Cabinetsordre, in der ihm in Hinblick auf seine Religionslehre vorgeworfen wurde, daß er seine Philosophie »zu Entstellung und Herabwürdigung mancher Haupt- und Grundlehren der heiligen Schrift und des Christenthums mißbraucht« und in der er zur »gewissenhaftesten Verantwortung« aufgefordert wurde. Zugleich erhielt er den Befehl, sich »künftighin nichts dergleichen zu Schulden kommen« zu lassen.
Diese Königl. Cabinetsordre veröffentlichte Kant in Gemeinschaft mit seinem Verantwortungsschreiben in seiner Schrift: »_Streit der Facultäten_.« (1798.)
Da diese Schrift Kants demnächst in der Universal-Bibliothek zur Veröffentlichung gelangt, so wird hier von dem Abdruck der Cabinetsordre und der Antwort auf dieselbe Abstand genommen.
Bibliographie der Drucke. [IX]
1. Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft. Vorgestellt von Immanuel Kant. Königsberg, bey Friedrich Nicolovius, 1793. XX [II]. 296 S. 8°, (A).
2. Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft ... Zweyte vermehrte Auflage. Königsberg, bey Friedrich Nicolovius, 1794. XXVI [IV]. 314 S. 8°, (B).
3. _Die Religion innerhalb der Grenzen der blossen Vernunft ... als No. 1 in Bd. X von: Immanuel Kants Sämmtliche Werke. Herausgegeben von Karl Rosenkranz und Friedr. Wilh. Schubert, Leipzig, Leopold Voss, 1838. XI, 1-247 S. 8°, (R)._
4. Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft ... als No. V in Bd. VI von: Immanuel Kants Werke, sorgfältig revidirte Gesammtausgabe in zehn Bänden [_ed._ _G. Hartenstein_], Leipzig, 1839, Modes und Baumann. XVI, 159-389 S. 8°, (Ha).
5. _Die Religion innerhalb der Grenzen der blossen Vernunft ... als No. IV in Bd. VI von: Immanuel Kants Sämmtliche Werke. In chronologischer Reihenfolge herausgegeben von G. Hartenstein, Leipzig, Leopold Voss, 1866. 8°, S. XII u. 95-301 (Hb)._
6. _Die Religion innerhalb der Grenzen der blossen Vernunft ... Herausgegeben und erläutert von J. H. von Kirchmann. Bd. XVII von: Philosophische Bibliothek oder Sammlung der Hauptwerke der Philosophie alter und neuer Zeit etc. Leipzig 1869 (1. Auflage) und 1875 (2. Auflage), Erich Koschny. VI, 242 S. 8°, (K)._
Es sind außerdem nach Hartensteins Aussage noch zwei Nachdrucke der 1. Ausgabe erschienen (Leipzig und Frankfurt 1793, XXIV, 248 und XXIV, 296 S. 8°).
J. H. von Kirchmann erwähnt eine 3. rechtmäßige Auflage. Diese Angabe beruht wahrscheinlich auf einem Irrthume, denn in den auf Bibliotheken gebräuchlichen bibliographischen Hilfsmitteln ist sie [X] nicht verzeichnet. Vielleicht ist eine Verwechselung eingetreten mit der »Theorie der reinen moralischen Religion &c. (G. L. Reiner), Riga 1796.«
Ad. 1 und 2. Das Verhältniß der 2. Auflage (B) zur 1. (A) ist von Kant in den ersten Zeilen seiner Vorrede zu B (S. 13 vorliegender Ausgabe) kurz gekennzeichnet.
Deutlicher tritt dasselbe in der folgenden Zusammenstellung der Varianten beider Texte hervor. S. S. XI-XVII.
Ad 3. Die Ausgabe von Rosenkranz und Schubert (R) legt den Text von A zu Grunde und giebt die Zusätze von B, fortlaufend numerirt, unter dem Texte. Die übrigen Varianten, welche nicht Zusatzanmerkungen betreffen, sind nicht erwähnt, eben so sind Emendationen des Druckes nicht angegeben.
Ad 4 u. 5. Die Ausgaben von G. Hartenstein (Ha u. Hb) legen den Text von B zu Grunde und geben die Varianten von A unter dem Texte. Es sind dabei auch die unbedeutenderen Varianten berücksichtigt. Ein vollständiges Verzeichniß derselben, welches allein eine genaue Uebersicht über das Verhältniß der Drucke geben könnte, fehlt. Die Vorrede enthält ein Emendationsverzeichniß.
Ad 6. Die Ausgabe von J. H. von Kirchmann legt den Text von B zu Grunde und giebt die Varianten von A unter dem Texte. Dieselben stimmen genau mit den bezüglichen Anmerkungen der 2. Hartenstein'schen Ausgabe (Hb). Ein Varianten- und Emendationsverzeichniß fehlt.
Varianten der Ausgaben A u. B.
Das folgende Verzeichniß, welches auch die sachlich unbedeutenden Varianten erwähnt, gewährt einen allseitigen Einblick in die Verschiedenheiten von A und B. Bei der Methode, welche die früheren Kanteditoren befolgten, war dies nicht der Fall; eben so war auch in meinen übrigen Ausgaben Kant'scher Werke durch nicht hinlängliche Trennung der Varianten und Emendationen das Verhältniß der Originaltexte zu einander dem Leser nicht klar dargelegt worden.
S. 3, Z. 1 v. o.{[8]} A: Vorrede. [XI] B: Vorrede zur ersten Auflage.
S. 4, Z. 15-16 v. o. A: daß sie zu einem dergleichen in nothwendiger Beziehung stehe B: daß sie auf einen solchen Zweck eine nothwendige Beziehung habe
S. 4, Z. 4 v. o. d. Anm. A: den moralischen Gesetze B: dem moralischen Gesetze
S. 7, Z. 6 u. 7 v. o. d. Anm. A: unumgängliche Bedingung, und zugleich zureichende B: unumgängliche und zugleich zureichende Bedingung
S. 12, Note 1) A: Die auf den ersten Bogen ... entschuldigen. B: -- -- --
S. 21, Z. 19 v. o. d. Anm. A: Mittleres. B: Mittleres. Eine moralisch-gleichgültige Handlung .... nöthig ist.
S. 21 u. 22. A: -- -- -- B: Zusatzanmerkung: [+]) Herr Professor Schiller .... aufgenommen zu haben.
S. 23, Z. 8 v. o. A: Willkühr Einfluß B: Willkühr desselben Einfluß
S. 24, Z. 22 v. o. A: jeden einzelnen B: den einzelnen
S. 25, Z. 12 u. 13 v. o. A: und Erhaltung B: und zur Erhaltung
S. 26, Z. 12 v. o. A: Hierauf nämlich, nämlich B: Hierauf, nämlich
S. 28, Z. 1 v. o. A: Begierde B: Begierde, concupiscentia
S. 28, Z. 4 v. o. A: als ein solcher B: als solcher
S. 28. A: -- -- -- B: Zusatzanm.: [+]) Hang ist eigentlich .... ausschließt.
S. 30, Z. 6. v. u. A: gehörig B: gehört
S. 32, Z. 6 v. u. A: verdorbener Hang [XII] B: verderbter Hang
S. 33. A: -- B: Zusatzanmerkung: [+]) Wie der immerwährende ... zu Gute thun.
S. 34. A: -- B: Zusatzanmerkung: [+]) Wenn man dieser ihre Geschichte ... deren wegnimmt.
S. 34, Z. 11 v. o. A: einem Stande B: eines Standes
S. 36, Z. 11 v. o. A: wovon der Begriff B: worin der Begriff
S. 36, S. 10 v. u. A: zu Bestimmung B: zur Bestimmung
S. 40, Z. 1 v. u. d. Anm. A: und der ersteren B: und ist der ersteren
S. 45, Z. 13 v. o. A: erhabnerer B: erhabener
S. 46. Differiren A und B in Bezug auf die Ueberschrift vgl. S. 46, Note 1)
S. 47, Z. 5 v. o. d. Anm. A: und beide B: auch beide
S. 47, Z. 12 v. u. d. Anm. A: Wohlwollens B: Wohlgefallens
S. 52, Z. 24 v. o. d. Anm. A: einsehen wird. B: einsehen wird. Den Begriff der Freiheit ... Schwierigkeit wegfällt.
S. 55-56. A: -- B: Zusatzanmerkung: [+]) Diese allgemeine Anmerkung ... Maxime aufnehmen.
S. 58, Z. 10 v. o. d. Anm. A: der letztern Voraussetzung B: der letzten Voraussetzung
S. 58, Z. 8 v. o. A: untereinander selbst aufreiben und zur B: untereinander nicht selbst aufreiben, sondern zur
S. 59, Z. 1 v. u. A: bleibt, obgleich B: bleibt, und obgleich
S. 61, Z. 1 v. u. A: annehme B: annehme und sich zu ihr herablasse
S. 62, Z. 6 v. o. A: sie gleichwohl [XIII] B: diese gleichwohl
S. 64, Z. 1 v. o. A: geschehen B: geschehen sein müßten
S. 69, Z. 4 v. u. A: ein ganz vollständig B: nie ganz vollständig
S. 69, Z. 13 v. o. A: Gütigkeit B: Glückseligkeit
S. 71, Z. 11 v. o. d. Anm. A: der spätern Reue B: der späten Reue
S. 71, Z. 8 u. 7 v. u. d. Anm. A: statuirt, so B: statuirt, (sondern entweder ewig, oder gar nicht, gestraft) so
S. 75, Z. 14 v. o. A: moralischen Verhältnisse B: überschwenglichen Verhältnisse
S. 76, Z. 7 v. u. d. Anm. A: Bei dem Hindus B: Bei den Hindus
S. 77, Z. 4 v. o. A: aller Neigungen B: allen Neigungen
S. 77, Z. 4 u. 5 v. o. A: mithin (auch allen ... verleiten) B: (mithin ... verleiten)
S. 79. A: -- -- -- B: Zusatzanmerkung: [+]) Sondern nur ... heißt Gnade.
S. 79, Z. 8. v. o. A: der vermeinten gebesserten Gesinnung B: der gebesserten Gesinnung
S. 80, Z. 18 v. u. A: abgelegt hat B: abgelegt habe
S. 80, Z. 16 v. u. A: Gesinnung hat B: Gesinnung habe
S. 81-82. A: -- -- -- B: Zusatzanmerkung: [+]) Die Absicht derer ... gehalten werden kann.
S. 84-85. A: -- -- -- B: Zusatzanmerkung: [+]) Eine vom angebornen ... zum Muster vorzustellen?
S. 85-86. A: -- -- -- B: Zus.: [+]) Nicht daß er ... übergegangen ist.
S. 86, Z. 10 v. o. A: ihrer ganzen moralischen Vollkommenheit [XIV] B: ihrer moralischen Vollkommenheit
S. 87, Z. 3. v. o. A: seinen ersten Wohnsitz B: ihren ersten Wohnsitz
S. 88. A: -- -- -- B: Zusatzanmerkung: [+]) Wobei man ... sei.